Dienstag, 21.02.2006
 

"Trinkwasser langfristig sichern"

ABWÄGUNG / Nach der Erörterung prüft die Bezirksregierung die vorgebrachten Einwände.

WESEL. Sichten, zusammenfassen, bewerten - das ist das, was die zuständigen Mitarbeiter der Bezirksregierung Düsseldorf nach dem Erörterungstermin Wasserschutzgebiet Gindericher Feld momentan beschäftigt. Dr. Ulrike Nienhaus, die die viertägige Erörterung in der Niederrheinhalle zum Teil geleitet hat, sagte im Gespräch mit der NRZ, dass es nun darum gehe, die schriftlichen Einwendungen von Privatpersonen und Trägern öffentlicher Belange zu überprüfen. Eine Grundlage dafür sei auch das Protokoll, das derzeit erstellt werde und voraussichtlich in der nächsten oder übernächsten Woche vorliege. Angesichts der Erfahrungen bei ähnlichen Erörterungen würden die Unterlagen wohl mehrere hundert Seiten umfassen.

Dr. Nienhaus betonte, dass die am 21. März auslaufende Veränderungssperre für das geplante Wasserschutzgebiet Gindericher Feld unabhängig von der Entscheidung der Bezirksregierung zu sehen sei. Schließlich hätten zahlreiche Erörterungsteilnehmer befürchtet, dass eine mögliche Festsetzung zu diesem Stichtag erfolge.

Zu den Kontakten, die Weseler Ratsmitglieder und Verwaltungsmitarbeiter mit dem Ministerium anstreben, äußerte sich die Fachfrau der Bezirksregierung nicht. Es habe bereits Gespräche im Vorfeld des Termins in der Niederrheinhalle gegeben, an denen unter anderem auch die CDU-Landtagsabgeordnete Marie-Luise Fasse teilgenommen habe. Die Bezirksregierung sei nicht dabei gewesen, um später nicht befangen zu sein. Nienhaus stellte klar, dass die Bezirksregierung Verordnungsgeberin ist, das heißt, sie legt fest, ob das Wasserschutzgebiet ausgewiesen wird oder nicht.

Unterdessen drückte Regierungspräsident Jürgen Büssow sein Bedauern darüber aus, dass eine öffentliche Verhandlung aufgrund der Ablehnung eines Einwenders nicht möglich war. "Mir liegt daran, Verfahren transparent zu führen", sagte er. Im Übrigen stehe das Gindericher Feld schon lange im Fokus der Wasserwirtschaft. Bereits im Gebietsentwicklungsplan 1986 sei es als Reservegebiet dargestellt worden.

Regierungspräsident:

Polderwasser nutzen

Im Rahmen der Diskussion zur Wasserbilanz 2003 sei gefordert worden, verstärkt dort Trinkwasser zu fördern, wo Polderwasser zu Sümpfungszwecken anfalle. Es solle nicht ungenutzt in den Rhein abgeleitet werden. Allerdings brauche die Nutzung auch einen Schutz, so dass Konflikte programmiert seien - etwa mit der Kiesindustrie. Büssow führte aus, dass sie Versorgungssicherheit über 25 Jahre fordere. Aber auch bei der Trinkwasserversorgung brauche man eine Sicherheit von mindestens 25 Jahren. Wegen der langfristig festzustellenden Schäden müsse sogar eher in Dekaden von 30 bis 40 Jahren gedacht werden. (P.H.)

21.02.2006    

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