Frischer Fisch
05.01.2006 / LOKALAUSGABE / NIEDERRHEIN

Der Fluss wird immer sauberer und der Bestand erholt sich. Angelvereine im Kreis Kleve können Strecken pachten.

Killerwels" hat dort als Kind geangelt und "dicke Barsche, Rotaugen und Rotfedern gefangen." "Aali-Barba" verleiht dem kleinen Fluss gar "glasklare fünf Fischwasser-Sterne". Die Niers, das kann man in den Internet-Foren von Sportfischern mit lustigen Namen lesen, ist auf dem Weg der Besserung und wird heiß diskutiert. Mit "glasklar" liegt "Aali-Barba" so falsch nicht. Die Wasserqualität des 114 Kilometer langen Flusses von der Quelle in Kuckum bei Erkelenz bis zur Mündung bei Gennep an der niederländischen Maas bessert sich seit Jahren stetig. Davon kündet der Jahresbericht 2005 des Niersverbandes und präsentiert nebenbei eine frohe Botschaft für die Angelvereine des Kreises Kleve: Demnächst kann die Niers als Angelgewässer angepachtet werden.Dies wird unter Regie der 2003 gegründeten Fischereigenossenschaft Niers möglich sein. Bisher kamen nur Angler aus dem Mönchengladbacher Raum in den Genuss, legal in dem Fluss direkt vor der Haustür zu fischen, da die Pachtstrecken vor Straelen endeten. Nun wird der gesamte Verlauf von Mönchengladbach über den Kreis Viersen bis in den Kreis Kleve nach Straelen, Kevelaer und Geldern bis Weeze zur Pacht freigegeben. Dazu sollen auch die Kleine Niers, Kervenheimer Mühlenfleuth und einige andere Gewässer gehören, die allesamt in überschaubare Abschnitte unterteilt werden.

Teilbereiche, die nicht von Vereinen oder Interessengemeinschaften gepachtet werden, können von nichtorganisierten Anglern durch Ausgabe von Jahres-, Monats- oder Tagesscheinen beangelt werden. Die Details dazu werden von der Fischereigenossenschaft derzeit erarbeitet.Bei Untersuchungen entlang der Niers wurde ein großer Artenreichtum sowohl an Nährtieren als auch an Fischen ermittelt - letztere in zum Teil beachtlichen Größen. So gingen ein Hecht von 70 Zentimetern, ein Aal mit einer Länge von 80 Zentimetern, Barsche um 35, aber auch Zander, Karpfen, Schleien, Rotfedern, Brassen, Gründlinge, Bitterlinge, Steinbeißer und Koppen ins Netz. Zahlreiche Muscheln und Krebse unterstreichen das Bild von einem Fluss, der auf einem guten Weg ist.

Schwarzfischerei eindämmen

Ute Dreyer, Biologin beim Niersverband, begrüßt die Ausweitung der fischereilichen Nutzung der Niers. "So sorgen mehr Leute für Artenvielfalt durch Kontrolle und Besatz. Schwarzfischerei und Umweltfrevel werden Einhalt geboten."

Mit letzterem hat der Niersverband und damit die Niers immer noch zu kämpfen. Die Wasserqualität bessert sich zwar, doch "noch besser könnte sie sein, wenn mit Pflanzenschutzmitteln verantwortungsvoller umgegangen würde", sagt Wilfried Manheller, Chemiker und Leiter des Labors beim Niersverband. Einträge aus Landwirtschaft und privater Landnutzung sind mit den konventionellen Klärmethoden der Werke an der Niers nicht herauszufiltern. Daher wird der Verband - wie in jedem Jahr - im Frühjahr Aufklärungsaktionen für einen umsichtigen Gebrauch mit den Chemikalien starten.

Die Europäische Union sieht für die Niers noch "rot". Dies ist die negative Einstufung des Flusses nach der EU-Wasserrahmenrichtlinie. "Stört uns nicht besonders", meint Dreyer, "denn ,rot betrifft den Ausbauzustand der Niers. Kanalisiert ist schlecht, und dann wird der ganze Fluss als schlecht eingeordnet." Mit dem Niersauenkonzept soll sich das langfristig ändern.

Was sich in ihrem mäßig bis kritisch belasteten Fluss über die Jahre getan hat, wissen die Mitarbeiter des Niersverbandes gut. Doch was an Fisch drin ist, wissen erfahrungsgemäß Angler am besten. Die sagen meist nur nicht, wo genau.

Fischereigenossenschaft Niers Tel: 02161/9 70 41 63. NIersverband: www.niersverband.de

PETER VOSS